Ollendorf

Die Kirchengemeinde Ollendorf gehört zum Kirchengemeindeverband Kerspleben.

Pfarrer Arndt Bräutigam
Kirchplatz 1
99198 Erfurt

T  (036203) 90 851
F  (036203) 71 847



 

 

St.-Philippus-& Jakobuskirche

Ollendorf besaß ursprünglich zwei Kirchen, deren eine (die Peterskirche, auch als Oberkirche bezeichnet) vermutlich im 17. Jhd. zerstört worden ist. 1682 ist die Rede davon, dass sie nicht wieder aufgebaut werden soll - zugunsten der sog. Unterkirche, der heutigen Dorfkirche Philippus & Jacobus. Sie lag an nahezu idealer Stelle: unmittelbar dort, wo die Via regia den Ort tangierte. Bereits 1471 wird die Kirche mit dem Doppel-Patrozinium in einem Verkaufsbrief sicher belegt.
Es handelt sich um eine spätgotische Saalkirche mit dreiseitigem Chor und nördlich angesetztem Turm. Mehrere Inschriften und eine erst 2009 (wieder-)entdeckte Kirchbaurechnung ermöglichen einen differenzierten Blick auf die Baugeschichte der Kirche, die nach den nun gewonnenen Erkenntnissen in neuem Licht erscheint. Das im Mai 2006 vom ganzen Dorf u. a. mit einem großartigen Festumzug gefeierte 500-jährige Kirchbaujubiläum gründete sich auf eine Inschrift am Turm, die klassisch als 1506 interpretiert wurde. Die genaue Untersuchung des beschädigten, kopfstehend eingesetzten Eckverbundsteines in 4,30 m Höhe ergab, dass es eher 1507 oder 1508 sein kann. Ob damit der Baubeginn des Turmes sicher bestimmt ist, muss dahingestellt bleiben. Dagegen kündet eine qualitätvoll ausgeführte Inschrift oben in der östlichen Schallöffnung von der Fertigstellung des Turmes im Jahre 1606. Sie dürfte angesichts der anderen datierten Inschriften von 1507/08 (?) und 1587 eine fast hundertjährige Bauzeit andeuten. Die unteren Zeilen, angebracht auf der nach innen geneigten Fläche des Fenstersturzes ("TVRRIS FORTISSIMA NOMEN DOMINI [EST]") bedeuten: "Ein sehr starker Turm ist des Herrn Ruhm." "Fortissima" hat die Wortbedeutung eines Superlativs im positiven Sinn und könnte den Bau auch als "sehr fest" oder "sehr dauerhaft" bezeichnen. Damit hebt der Text die Bedeutung des Turmes für den Ort und seine Bewohner hervor. Von ihm läuteten die Glocken, er bot letzten Schutz für Mensch und Habe. Er rückte das Dorf im Glauben der Menschen dem Himmel etwas näher, und bis heute bestimmt der Turm die Fernansicht Ollendorfs.
Die Kirchbaurechnung indes bezieht sich auf das Kirchenschiff; sie beginnt 1683 mit der Aufführung der Spenden und dem Fällen des Bauholzes im Kranichfelder Forst. Nach dem nur anderthalb Jahre dauernden Kirchbau (Juni 1684 bis November 1685 / Restarbeiten bis März 1686) wurde der zur Anhörung der Endabrechnung am 18. April 1686 versammelten Gemeinde eine Tonne Bier verabreicht. Keine andere Kirche in der östlichen Umgebung von Erfurt ist in ihrer Baugeschichte so gut dokumentiert wie St. Philippi und Jacobi in Ollendorf.
Der Turm war zur Zeit des Neubaues vom Kirchschiff genau 180 Jahre alt; die Fertigstellung seines Obergeschosses lag da gerade 80 Jahre zurück. In der 1. Hälfte des 18. Jh. kamen im Zeitgeschmack noch barocke Überformungen hinzu.
Wichtige Ausstattungsstücke der Kirche sind der barocke Kanzelaltar (Valentin Ditmar 1699/1700), die Volklandt-Orgel (1722/23), das Grab-Epitaph des Hauptmanns Martin Hase (1589) und die Eberhardt-Turmuhr (Stadtilm 1798).
Langfristig sind erhebliche Restaurierungsarbeiten an der Kirche nötig geworden. Auf Anregung und Mitwirkung von Pfarrer Dr. Thomas Seidel wurde im Jahre 2000 die Gründung einer Kirchbau-Initiative beschlossen. Diese treibt seither - unter dem Vorsitz von Dr. Joachim Ernst - die weitere Sanierung der St. Philippus & Jakobus-Kirche zielstrebig voran. Gemeinsam mit dem Gemeindekirchenrat und der außerordentlich unterstützungsbereiten politischen Gemeinde (Bürgermeister Heinz Reckardt) arbeiten in dieser Kirchbau-Initiative Christen und Nicht-Christen intensiv zusammen. Sie geben damit ein wunderbares Beispiel für ein ehrenamtliches Engagement für die Kirche des Ortes.

nach Autorenkollektiv: Ollendorf. Beiträge zur Ortsgeschichte. Aus Anlass des 500. Kirchbau-Jubiläums herausgegeben von der Evangelischen Kirchgemeinde Ollendorf. Ollendorf 2006

 

 

Fotogalerie

Anmutig in den Ausläufer des Ettersberges eingebettet: Blick vom Butterfladen auf Ollendorf. In fast 100-jähriger Bauzeit entstand der Kirchturm. Er beherbergt drei Glocken, eine Schlagglocke und eine Turmuhr des Stadtilmer Meisters Eberhardt von 1798. Blick zum 1699/1700 durch den Erfurter „Bildschnitzer” Valentin Ditmar geschaffenen barocken Kanzelaltar. Die Ollendorfer Orgel von 1722/23 gilt heute als frühestes Instrument des Erfurter Orgelbauers Franz Volklandt. Gottvater. Detail oben im Kanzelaltar.

 

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Reformationsjubiläum

zum Artikel: Herder-Förderpreis: Glaube und Erfahrung. Christlicher Glaube ist erfahrbar

 

Aktuelles

 

Apr 13 Ketzer, Spalter, Glaubenslehrer - Luther aus katholischer Sicht
Eisenach, Do. 13.04.17
10:00 Uhr
bis 30.12.18
17:00 Uhr
Nov 3 AUSSTELLUNG
Weimar, Fr. 03.11.17
bis 25.11.17
Nov 14 „Bekenntniszeichen" - Die Junge Gemeinde in der DDR im Spannungsfeld zwischen Staat und Kirche
Erfurt, Di. 14.11.17
08:00 Uhr
bis 04.12.17
21:00 Uhr
Nov 21 „Was bleibt vom Reformationsjahr 2017?“ - AEU-Unternehmergespräch
Erfurt, Di. 21.11.17
19:00 Uhr bis 21:30 Uhr
Nov 24 ORCHESTERKONZERT
Weimar, Fr. 24.11.17
19:30 Uhr bis 21:00 Uhr

 

Losung & Lehrtext

17.11.2017
Deine Toten werden leben. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, der Geist spricht, dass sie ruhen von ihren Mühen.
Jesaja 26,19 Offenbarung 14,13

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